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"Unseren Tieren geht es gut"

Ferkelerzeuger Johannes Scharl im Interview mit dem MEAT-Magazin

Johannes Scharl ärgert sich über die Pauschalverurteilung von Landwirten, die Tiere halten. Der Schweinezüchter bemüht sich schon lange um tiergerechtere Bedingungen in seinem Stall und wird auch an der Initiative Tierwohl teilnehmen.



Die Ferkel von Johannes Scharl haben Fußbodenheizung. Was auf den ersten Blick wie ein karger Betonboden wirkt, scheint bei den erst wenige Tage alten kleinen Schweinen äußerst gut anzukommen. Gezielt suchen sie die gut 30 Grad warme Ecke in ihrer Stallbucht auf, um dort aneinander- und übereinandergekuschelt zu schlafen. Unterbrochen werden die Wärmepausen nur, wenn die Tiere ein paar Schritte zur Muttersau gehen, um dort zu saufen.
 
 
Solche Aha-Erlebnisse hat der Besucher häufig in der Schweinezucht auf dem Häringhof am Rand von Eichstätt. Es sieht hier nicht aus wie im typischen Bilderbuch, wo Schweine auf gemütlichen Strohbetten liegen und der Hahn auf dem Misthaufen kräht. Aber bei näherem Hinsehen und Nachfragen wird klar, dass diese fest in unseren Köpfen verankerte Idylle nicht nur überholt, sondern auch gar nicht immer im Sinne des Tierwohls war.
 
 
Der moderne Landwirt Johannes Scharl versucht, mit vielen kleinen, durchdachten Details das Leben seiner Tiere so artgerecht und gesund wie möglich zu gestalten.






»Die Initiative Tierwohl«
 
Unternehmen und Verbände aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel haben sich zusammengeschlossen, um ab 2015 eine tiergerechtere und nachhaltigere Fleischerzeugung bei Schwein und Geflügel zu fördern. Die Landwirte, die sich bei der Initiative angemeldet haben, erhalten gestaffelte Beiträge aus diesem Fonds für die Erfüllung von bestimmten, über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgehenden Anforderungen. Es gibt dabei einen Katalog von Pflichtkriterien, bei Schweinehaltern etwa die Teilnahme am Antibiotikamonitoring, eine bestimmte Größe der Fensterflächen im Stall. Das Bündnis wendet pro Jahr 65 Millionen Euro auf, um die Haltungsbedingungen der Tiere zu verbessern. Dazu muss der Landwirt gewährleisten, dass seine Schweine mehr Platz als vorgeschrieben haben oder/und ständigen Zugang zu Raufutter und vor der Geburt Nestbaumaterial bekommen. Schließlich gibt es eine Reihe von Wahlkriterien, aus denen er freiwillig auswählen kann, zum Beispiel einen überdachten Auslauf im Freien, offene Tränken, eine vierwöchige Säugezeit oder Scheuermöglichkeiten. Unabhängige Zertifizierungsstellen überprüfen die Einhaltung der Anforderungen. Teilnehmende Landwirte bekommen pro Jahr einen Sockelbeitrag von 500 Euro sowie maximal neun Euro pro Tier.