Warum ich gerne Bauer bin …
Ja, für mich ist es genau der richtige Beruf. Ich bin gerne Bauer“, versichert Markus Burghoff. Aber für den 25-jährigen Landwirt aus Lennep war der Beruf Landwirt eigentlich eine Verlegenheitslösung. „Nach dem Abitur wusste ich einfach nicht, was ich machen soll. Für einen Bürojob konnte ich mich nicht begeistern und ich hab mich dann einfach entschlossen, eine landwirtschaftliche Ausbildung zu machen“, gibt Markus unumwunden zu. Danach begann er ein Landwirtschaftsstudium an der Uni Bonn, das er aber nach drei Semestern abbrach. Zu wissenschaftlich und viel zu praxisfern sei ihm das Studium gewesen. Er entschied sich daher um, besuchte die Fachschule für Agrarwirtschaft in Köln-Auweiler und schloss sie als staatlich geprüfter Landwirt ab. „Ich denke, diese Schule ist einfach ideal, wenn man praktischer Landwirt werden und vielleicht später auch einmal einen Betrieb leiten will“, meint er rückblickend.
Markus bewirtschaftet mit seinen Eltern Ingrid und Heinz-Peter Burghoff einen Milchviehbetrieb mit 42 Milchkühen und Nachzucht sowie insgesamt 58 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. 20 ha davon sind Dauergrünland, 20 ha Grasanbau und der Rest Ackerfläche, auf der Mais, Weizen, Gerste, Triticale, Hafer und Raps angebaut wird. Außerdem dreschen Burghoffs im Lohn Getreide für benachbarte landwirtschaftliche Betriebe. „Diese Aufgabe übernimmt aber mein Vater“, erzählt Markus. „Ich arbeite zwar ganz gerne mit Maschinen, aber ich bin ehrlich gesagt der Tiermensch und noch viel lieber im Kuhstall“, versichert Markus. Der Umgang mit den Tieren und auch mit den Maschinen mache ihm Spaß, das sei es, was ihn an seinem Beruf begeistere. „Aber am besten finde ich, dass ich als Landwirt völlig selbstständig arbeiten kann“, so der Junglandwirt. Und noch eins weiß er zu schätzen – die „kleinen besonderen Momente“, wie er sie nennt. „Für mich gehört dazu die Geburt eines Kalbes oder einfach das Ende der Ernte, der Zeitpunkt, wo die Mais- oder die Grasmiete endlich abgedeckt ist“, erläutert Markus und fügt hinzu: „Das finde ich immer wieder toll.“
Schade ist seiner Meinung nach allerdings, dass viele in der Bevölkerung nicht wissen, was er und seine Berufskollegen alles für die Gesellschaft leisten. „Wir erzeugen ja nicht nur Lebensmittel, sondern wir sorgen auch für den Erhalt der Kulturlandschaft und betreiben Natur- und Wasserschutz“, erläutert der Lenneper Landwirt. Der Betrieb Burghoff ist aktiv am Landschafts-, Natur- und Wasserschutz beteiligt. Während der Wintermonate besteht ein Großteil der Arbeit von Markus und seinem Vater darin, die Hecken und Sträucher an den Feldrändern zu pflegen, um das Landschaftsbild und die Kulturlandschaft zu erhalten. Außerdem ist der Betrieb Mitglied der Wasserkooperation Herbringhauser Talsperre und nimmt an Projekten wie dem Uferrandstreifenprogramm oder der Dauerbegrünung von Ackerflächen teil, um die Auswaschung von Nährstoffen zu vermeiden. „Den Leuten sollte einfach mehr bewusst sein, dass wir hier qualitativ hochwertige Lebensmittel unter den höchsten Standards produzieren und dafür brauchen wir natürlich auch entsprechende Preise“, führt Markus ein.
Für ihn geht daher an einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit auch weiterhin kein Weg vorbei. „Ich bin dabei nicht unbedingt der Typ, der direkt auf die Verbraucher zugeht“, räumt er bescheiden ein. Aber dennoch hat sich Markus zusammen mit drei anderen jungen Landwirten am 16. Oktober an einer Veranstaltung seiner Ortsbauernschaft Remscheid zum Thema „Landwirtschaft trifft Politik“ beteiligt. „Uns jungen Landwirten ging es darum, die Politiker über uns und unsere Arbeit zu informieren. Und dies ist gut angekommen.“
Für den Lenneper Landwirt steht jedenfalls fest: Er will auch zukünftig Bauer bleiben. Markus und seine Freundin Miriam, die er während des Landwirtschaftsstudiums in Bonn kennengelernt hat und die im kommenden Jahr ihr Studium als Agraringenieurin abschließen wird, sehen ihre Zukunft in der Milchviehhaltung. Den Hof seiner Eltern erhalten, das hat sich Markus auf seine Fahnen geschrieben. Allerdings dürfte dies nicht einfach werden. Grund: Soll der 750 Jahre alte Hof der Burghoffs in Zukunft wirtschaftlich bleiben, muss ein neuer Kuhstall her. Doch der Hof, der nur 800 m von der Innenstadt von Lennep entfernt liegt, ist längst von neuen Wohnhäusern umgeben. „Natürlich habe ich darüber nachgedacht, ganz auszusiedeln, aber ich möchte gerne hier an diesem Standort bleiben“, stellt der junge Mann fest. Daher hat er sich entschieden, auf dem alten Hof zu bleiben und einen neuen Stall mit 20 zusätzlichen Plätzen anzubauen. „Wichtig ist, dass wir für die Tiere angemessene Haltungsbedingungen schaffen und für uns bessere Arbeitsbedingungen“, sagt Markus. „Die Rinder stehen noch im Anbindestall und der Arbeitsaufwand ist daher relativ hoch. Das Futter wird zwar mittels Siloblockschneider vorgelegt, aber das Füttern selbst müssen wir per Hand vornehmen.“
Markus und Miriam denken darüber hinaus auch über zusätzliche Einkommensalternativen nach: „In Betracht käme eventuell die Stutenmilchproduktion, aber auch der Bau eines Hofladens sowie die Investition in eine Photovoltaikanlage.“ Im kommenden Jahr wird der junge Mann erst einmal den Hof seiner Eltern pachten und seine Freundin wird auf den Hof ziehen. „Was wir dann machen, wissen wir jetzt noch nicht, aber in jedem Fall wollen wir weitermachen“, versichert Markus.
